Achtsamkeit als „die höchste Form des Selbstmanagements“

Achtsamkeits Training als Selbstmanagement | morpho-coaching.de

Schon bewusst (?) … …, dass sich unter dem Begriff der „Achtsamkeit“ weit mehr verbirgt, als das Praktizieren von Meditation? Han Shan, geboren in Deutschland als Hermann Ricker, leitete viele Jahre sein eigenes Großunternehmen, bevor er sich der Achtsamkeit verschrieben hat. Er bezeichnet Achtsamkeit als „die höchste Form des Selbstmanagements“ und beschreibt Selbstmanagement so: „Sich selbst zu managen heißt, die wahre Natur der Dinge in sich selbst wahrzunehmen und zu erkennen, um dann das eigene Leben danach auszurichten. Achtsamkeit ist der Schlüssel, der das Tor zu uns selbst öffnet, damit wir hindurch gehen können, um eine neue, ungeahnte Dimension in unser Leben einzuladen.“ (aus Han Shan: „Achtsamkeit – Die höchste Form des Selbstmanagements“)

Ein achtsames Leben ist heute wichtiger denn je

Wir leben in einer Zeit, in der alles immer schneller geht und aus unserem Gefühl auch gehen muss. Dass wir im digitalen Zeitalter leben unterstützt uns auf der einen Seite und auf der andern Seite drehen sich die Räder dadurch nur noch schneller. Wie oft sagen wir uns, dass wir für die schönen Dinge unseres Lebens keine Zeit haben.

Im Arbeitsleben hetzten wir oft von einem Termin zum nächsten, während der E-Mail-Posteingang über quillt. Natürlich erwarten wir von uns selbst, auch im Glauben der Erwartung anderer, dass wir auf jede Mail quasi sofort reagieren müssen. Das führt häufig zu sehr fragwürdigen Besprechungspraktiken. Wie oft sieht man in Besprechungen eine Ansammlung von gestressten Gesichtern die, als hätten sie ihre Seele abgegeben, in den Rechner starren und die Tastaturen malträtieren. Ein Außenstehender mag sich fragen, für wen hier eigentlich die Besprechung ist, wenn doch offensichtlich gar niemand dem andern zuhört.

Nach 8 bis 14 so erlebter Stunden geht es endlich nach Hause und natürlich geht alles nicht schnell genug. Auf der Fahrt zeigen wir gerne dem vermeintlichen Übeltäter, der uns auf unserem Weg in den Feierabend aufhält, mindestens den gedanklichen Mittelfinger. Wo wir uns doch so auf das Abendessen mit der Familie freuen. Natürlich vorher noch schnell das Abendbrot einkaufen und dabei genervt feststellen, dass man wieder einmal in der falschen Schlange ansteht. Nun endlich sitzt die ganze Familie am Tisch, die Handys im Anschlag. Whatsapp, Facebook und die verschiedenen Communities erfordern unsere Aufmerksamkeit, bevor wir uns ermattet dem Fernseher zur Entspannung zuwenden. Dann ist Zeit ins Bett zu gehen, weil wir ja morgen wieder einen harten Tag vor uns haben. Nun drehen sich unsere Gedanken in der Spirale aus vergangenen Bildern und Gefühlen, Plänen und Erwartungen für den folgenden Tag und Phantasien einer Zukunft, bei der wir alle Optionen durchspielen und auf alles gefasst sein wollen. Eine gute und gesunde Nacht!?

Vielleicht erscheint die beispielhafte Beschreibung skurril, etwas überzeichnet, vielleicht aber auch in Teilen bekannt. In jedem Fall dürfen wir uns selbst an jedem Abend ein paar Fragen stellen. Was habe ich von dem heutigen Tag wirklich wahrgenommen? Welches Thema hatte die Besprechung, mit welchem Ergebnis und von wem kam welcher Kommentar zum Thema? Was gab es auf der Fahrt besonderes zu sehen? Wie sah die Person an der Kasse im Supermarkt aus? Weiß ich, wie es meinen Familienmitgliedern geht? Wie geht es mir selbst? Was fühle ich? Was gab es zu essen und wonach hat es geschmeckt? Wann war ich heute mit meinen Gedanken wirklich dort, wo ich gerade war – im jetzigen Moment? Dieser Moment ist der einzige, der wirklich existiert, denn die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft noch nicht da. Leben findet nur jetzt statt. Es lässt sich nicht in die Vergangenheit oder Zukunft verschieben, auch wenn wir gerne glauben, unser Glück würde mit irgend einem erwünschten Ereignis in der Zukunft anfangen.

Bewusstheit für den jetzigen Moment durch Achtsamkeit

Meditation ist nur ein Training für Achtsamkeit und nicht Selbstzweck. Es ist ein bisschen, wie wenn man seine Muskeln spezifisch, mit einer besonderen Sportart, trainiert. Der so trainierte Muskel steht uns dann auch im Alltag zur Verfügung. Mit ein wenig Übung lässt sich Achtsamkeit in jeder Lebenssituation praktizieren, egal ob bei der Arbeit, in Gesprächen, beim Essen oder Autofahren. Achtsamkeit durchbricht das Leben im „Autopiloten“ und macht uns uns und unsere Handlungen bewusst.

Die meisten Menschen streben nach einem selbstbestimmten Leben. Vergessen wird dabei schnell, dass es oft nicht andere sind, die uns davon abhalten, selbstbestimmt zu leben. Wie oft tun wir Dinge, ohne uns darüber bewusst zu sein. Da ist der Gedanke an das vielleicht nicht abgeschaltete Bügeleisen, wenn ich das Haus verlassen habe, nur ein plakatives Beispiel, das fast jeder kennt. Oft sind es antrainierte Gewohnheiten, die eine echte Selbstbestimmung verhindern. So habe ich mich über viele Jahre meines Lebens permanent über andere Autofahrer geärgert, weil sie nach meinen Vorstellungen zu langsam fuhren oder eben nicht richtig. Dieses Ärgern war eine Form von Automatismus geworden. Wenn ich heute solchen oder ähnlichen Situationen mit Achtsamkeit begegne, dann merke ich es schon bevor ich mich aufrege. Ich stelle mir innerlich die Frage, ob es sich lohnt mich aufzuregen. Diese bewusste Frage gibt mir die echte, selbstbestimmte Freiheit, mich zu entscheiden und eben nicht „Sklave“ eines Automatismus zu sein. Meistens stelle ich fest, dass es sich nicht lohnt, mich zu ärgern und lasse es dann einfach sein. Das schont mich, meine Energie, meine Kraft und lässt mich zufriedener mit mir und meinen Mitmenschen leben.

Mit Achtsamkeit wollen wir nichts verändern, was sich sowieso nicht ändern lässt, sondern es geht darum, mit dem zurecht kommen, was wir im Leben unausweichlich vorfinden. „Man kann Wellen nicht aufhalten, aber man kann lernen zu surfen.“ (aus Jon Kabat-Zinn: „Im Alltag Ruhe finden“)

Im Achtsamkeits-Training und achtsamen Leben helfen dabei sieben innere Grundhaltungen:

Nicht urteilen

Dies bedeutet eine Situation, sich selbst oder auch andere wahrzunehmen, ohne gedanklich wertende Begriffe zu verwenden. Bei einem Schnupfen beispielsweise, nicht denken „blöder Schnupfen“ sondern feststellen, dass die Nase läuft und ein Taschentuch nehmen. Wenn doch der Gedanke „blöder Schnupfen“ kommt, dann eben das feststellen, ohne wiederum diesen Gedanken zu verurteilen.

Geduld

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Gerade am Beginn eines achtsameren Lebens hilft es geduldig mit sich selbst zu sein. Dabei ist es gut sich auf die bereits geglückten Beispiele von Achtsamkeit zu konzentrieren und diese wertzuschätzen.

Den Geist des Anfängers kultivieren

Häufig sind es vorgefasste Meinungen und Sichtweisen, die uns daran hindern den Reichtum des Augenblicks wahrzunehmen. Wir haben in unserem Kopf Bilder kreiert und sehen häufig nicht mehr das, was es zu sehen gibt, weil unsere Erwartungen uns den Blick versperren. Welche Faszination kann z.B. eine Schneeflocke in uns auslösen, wenn wir genau hinsehen, so als hätten wir Schnee noch nie gesehen.

Vertrauen

Je mehr wir durch ein achtsames Leben unsere innere Stimme wahrnehmen, können und lernen auf sie zu hören. Um so mehr Vertrauen gewinnen wir in uns selbst. Dieses Vertrauen in uns selbst steigert zunehmend auch das in unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir begegnen Menschen damit immer vertrauensvoller und wecken auch in ihnen das Gute, was wir in ihnen sehen.

Nichts erzwingen

Alles darf im Rahmen der Achtsamkeit so sein wie es ist. Es geht nicht darum, etwas zu verändern, sondern es genau so wahrzunehmen, wie es ist.

Akzeptanz

Je intensiver wir uns geistig gegen etwas wehren, um so stärker binden wir es an uns. Das Wort „nicht“ können wir nicht verarbeiten. Wenn man sich beispielsweise bei Kopfschmerzen auf den Gedanken „Kopfschmerzen möchte ich nicht haben“ konzentriert, dann tritt häufig das Gegenteil des gewünschten Resultats ein. Jon Kabat-Zinn drückt dies in „Gesund durch Meditation“ so aus: „Es ist … geradezu die praktische Definition von Heilung, zurechtzukommen, mit dem, was ist.“

Loslassen

An unsern Gedanken und Gefühlen fest zu hängen ist der Grund für die, uns so oft belastenden, Gedankenschleifen. Gerade während Meditationen können wir gut lernen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen und sie dann loszulassen. So wie Wölkchen am Himmel die über unseren Köpfen vorbei ziehen und einen klaren blauen Himmel hinterlassen.

Achtsamkeit üben und leben

Es gibt unzählige Möglichkeiten Achtsamkeit zu üben und zu trainieren. Dies können z.B. achtsame Körperübungen, das Führen achtsamer Tagebücher, achtsames Essen und natürlich die verschiedensten Meditationsformen sein. Wenn du etwas mehr zum Thema Meditation und was sie bei uns bewirken kann, wissen möchtest, dann lies auch gerne meinen Beitrag „Wirkung von Meditation auf Resilienz und Gesundheit“ . Oder du startest gleich in die achtsame Praxis und versuchst eine „Gehmeditation“. Eine kostenlose Anleitung für diese sehr einfache und unkomplizierte Achtsamkeitsübung findest du auf meiner Seite „mein Angebot“.

Mit ein bisschen Übung ist es dann das Leben selbst, was uns die spannendsten, schönsten und hilfreichsten Übungen in Achtsamkeit liefern kann.

Morpho-Coaching mit wingwave® Coaching und NLP Coaching untertsützt dich dabei ein achtsames Leben zu führen. Achtsamkeitsübungen und Achtsamkeitstraining gehören für mich selbstverständlich dazu. Melde dich gerne hierfür bei mir.

Anke Bolter – Morpho-Coaching® Hamburg